Aufholen nach Corona

Die Folgen der Corona-Pandemie sind für die Schulen und insbesondere für die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern weiterhin spürbar. Im regulärem Schulbetrieb soll – neben dem schulischen Unterricht – auch das vielfältige schulische Leben wieder möglich sein. Infolge der langen Einschränkungen besteht sowohl im fachlichen als auch im sozialen Kontext weiterhin ein Aufholbedarf.

Mit dem Aktionsprogramm von Bund und Land „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ stehen in Brandenburg insgesamt 68,7 Millionen Euro für zwei Jahre zur Verfügung, der Bund beteiligt sich mit 38,7 Millionen Euro. Im Kern geht es darum, die Schülerinnen und Schüler beim Abbau der Lernrückstände sowie im Bereich der sozialen Kompetenzen zu unterstützen. Dabei soll grundsätzlich die individuelle Persönlichkeitsentwicklung jeder einzelnen Schülerin und jedes Schülers berücksichtigt werden.

Mit den Mitteln des Aktionsprogramms werden im Wesentlichen finanziert:

  • ergänzende Lernangebote,
  • individuelle Lernbegleitung und
  • schulergänzende Förderangebote durch freie und öffentliche Träger, aber auch
  • Angebote der Schulsozialarbeit,
  • Bewegungsangebote und Schwimmkurse sowie
  • zusätzliche Ferien- und Freizeitmöglichkeiten sowie Freiwilligendienste.

Die konkreten Maßnahmen:

Neu: Jahresbudget für Schulen für das Schuljahr 2022/23

Dadurch sollen die Schulen noch unbürokratischer und flexibler auf die Nachholbedarfe in der fachlichen oder sozialen Kompetenzentwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler reagieren können. Dafür steht den Schulen jetzt unter anderem ein Jahresbudget zur Verfügung. Es wird sowohl nach Schulform als auch nach Schulgröße und allgemeinem Aufholbedarf unterschieden. Die genaue Summe wird vom zuständigen Schulamt für die jeweilige Schule festgelegt. Sollten Schulen mehr Mittel benötigen, haben die Schulämter die Möglichkeit entsprechend nachzusteuern. Die Mittel werden im Schuljahr 2022/23 durchschnittlich nach folgender Staffelung vergeben:

  • Grund- und Förderschulen: 13.000 Euro
  • Weiterführende Schulen (Sekundarstufe I und II): 24.000 Euro
  • Berufliche Schulen / Oberstufenzentren: 15.000 Euro

Wie auch im laufenden Schuljahr können Schulen im Schuljahr 2022/23 Projekte und Maßnahmen zum Aufholen von Lernrückständen und zur Förderung fachlicher und methodischer Kompetenzen (Nachhilfe) durchführen. Ebenfalls förderfähig sind Projekte und Maßnahmen zum Abbau sozial-emotionaler Defizite und solche, die die sozialen Kompetenzen junger Menschen in den Blick nehmen. Neu ist, dass für die sozial-emotionalen Angebote die Bindung an Lerngruppen und festgesetzte Kostensätze entfällt. Die Schulen können selbständig entscheiden ob,

  • das Budget für die gesamte Schule eingesetzt wird (zum Beispiel für einen Schulaktionstag),
  • aus den Mitteln Angebote für bestimmte Schülergruppen beziehungsweise Klassen finanziert werden,
  • mehrere Projekte über das Schuljahr verteilt durchgeführt werden.

Zu den weiteren Neuerungen gehören:

  • Die Förderung von Projektfahrten mit Übernachtungen, Projektwochen, Nachholangebote für die Fahrradausbildung,
  • Ferienkurse zur Verkehrserziehung für Schülerinnen und Schüler, die im laufenden Schuljahr die 5. oder 6. Jahrgangsstufe besuchen und die im Zusammenhang mit der Fahrradausbildung angeboten werden, sind ebenfalls förderfähig.
  • Nachhilfe: Der Stundensatz für Nachhilfeangebote wird von 40 Euro auf 50 Euro erhöht und Fahrtkosten können von den Anbietern geltend gemacht werden.
  • Für die Mitgliedsverbände der Jugendhilfe stellt das MBJS bis Mitte 2023 zusätzliche Honorarmittel in Höhe von 250.000 Euro zur Verfügung.

Die Schwimmkurse für Grundschülerinnen und Grundschüler werden weitergeführt.

Zusätzliches pädagogisches Personal – Verstärkung um 200 Stellen für zwei Jahre

Für die Dauer von zwei Schuljahren werden für zusätzliches pädagogisches Personal insgesamt 24,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Diese sollen im Rahmen der bestehenden Schulorganisation zusätzliche oder unterstützende Lern- und Förderangebote den Schülerinnen und Schülern gewähren, bei denen die Ergebnisse der Lernstanderhebungen wesentliche Rückstände gezeigt haben. Die Lernstanderhebung fand in den ersten Wochen des neuen Schuljahres statt. Für die Verteilung der zusätzlichen personellen Ressourcen wurden im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Lernstanderhebung Kriterien für die Schulämter entwickelt, um insbesondere auf der Grundlage der Empfehlungen der Ständigen wissenschaftlichen Kommission die sprachlichen und mathematischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Anhand der Schülerzahlen in den vier Schulamtsbereichen wurden die zur Verfügung stehenden 178 Vollzeitstellen wie folgt auf die staatlichen Schulämter verteilt: 48 Schulamt Brandenburg a.d.Havel, 40 Schulamt Cottbus, 50 Schulamt Frankfurt (Oder) und 40 Schulamt Neuruppin. Zudem werden auf der Basis einer Richtlinie Mittel für weitere 22 Vollzeitstellen an die Schulen in freier Trägerschaft ausgereicht.

Die Mehrzahl der Schulen aller Schulformen zeigt auf, dass die Bildungsziele in den einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen voraussichtlich erreichbar sein werden. Gleichzeitig wird aus dem Monitoring im Vergleich zum Schuljahr 2020/2021 ein größerer Unterstützungsbedarf insbesondere zur Stärkung der sprachlichen und mathematischen Kompetenz deutlich. Aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ erhalten die Schulen notwendige und geeignete Hilfen zum Erreichen der Bildungsziele der Schülerinnen und Schüler. Mit den zugewiesenen Stellen soll sehr gezielt fachliche Unterstützung – insbesondere für die Entwicklung der mathematischen und sprachlichen Basiskompetenzen – gewährt werden. Damit erhalten betroffene Schulen größeren Spielraum, mit zusätzlichen Angeboten Lernstoff aufzuarbeiten und Schülerinnen und Schüler beim Aufholen zu unterstützen.

Aufgrund der pandemiebedingt allgemein schwierigen Situation, um kurzfristig qualitatives Personal für die Schulen zu gewinnen, wurden bisher bedarfsgerecht 105,8 Vollzeitstellen den öffentlichen Schulen im Land Brandenburg durch die staatlichen Schulämter zur Verfügung gestellt. Davon konnten 90,5 Vollzeitstellen personell untersetzt werden. In den Schulämtern laufen die Planungen und Umsetzungen der möglichen weiteren Stellen.

Erwerb und Einsatz digitaler Lehr- Lern-Werkzeuge

Zur erfolgreichen Umsetzung des Aktionsprogramms „Aufholen nach Corona“ kommt es neben der Frage der personellen Absicherung der individuellen Lernförderung insbesondere auf die inhaltliche Qualität des zur Verfügung stehenden Lernmaterials und auf die prozessbegleitende Diagnostik des Lernstands an. Dabei kommt insbesondere der Förderung von Basiskompetenzen in den Kernfächern Deutsch und Mathematik eine zentrale Bedeutung zu.

Zu diesem Zweck sollen – zusätzlich zum regulären Unterricht – geeignete digitale Lehr-Lernangebote vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) angeschafft werden, sog. temporäre Landeslizenzen. Diese digitalen Instrumente eröffnen den Schülerinnen und Schülern weitere Übungs- und Vertiefungsmöglichkeiten, sind zeit- und ortsunabhängig und helfen dabei, vorhandene Lernrückstände abzubauen. Damit verbunden ist auch eine prozessbegleitende Diagnostik (Lernstanderhebung), um eine zielgerichtete individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen.

Insbesondere beim Einsatz von zusätzlichem Förderpersonal in Schule unterstützen digitale Lehr-Lern-Werkzeuge eine tutorielle Begleitung der Schülerinnen und Schüler. Zusätzlich zur Verwendung im regulären Unterrichts, können diese digitalen Systeme damit auch bei Nachhilfeangeboten und begleiteten Selbstlernphasen eingesetzt werden.

Das erste digitale Lernprogramm für die Förderung mathematischer Kompetenzen für die Jahrgangsstufen 4 bis 11 steht den Schulen mit Beginn des 2. Halbjahres 2021/2022 (bis Juli 2023) zur Verfügung (bettermarks). Die Nutzung kann auch über eine Schnittstellte in der Schul-Cloud Brandenburg erfolgen. Weitere Programme folgen im laufenden Halbjahr. Über diese Landeslizenzen erhalten alle Schulen die Möglichkeit, die entsprechenden Online-Zugänge zu nutzen. Für den Erwerb der Landeslizenzen stehen 2 Millionen Euro zur Verfügung.

Neben den digitalen Lehr- und Lernwerkzeugen beteiligt sich das Land Brandenburg am Programm „Mathe aufholen nach Corona“ des Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM). Im Rahmen dieses Programms werden Seminare für Lehrkräfte angeboten, aber auch Material für den Mathematikunterricht.
> Mathe aufholen nach Corona

Lernbegleitung durch den Einsatz von Studierenden

Das Programm „Studentische Lehr-Lernassistenzen an Brandenburger Schulen“ startete im  August 2020 und wurde von den Schulen gut angenommen. Das Programm wird fortgeführt und weiterentwickelt. Dafür stehen für die Schuljahre 2021/2022 und 2022/2023 insgesamt 3 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler, die besondere Lernrückstände haben, individuell zu fördern. Zur Qualitätssicherung werden den Studierenden insbesondere für die sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen Qualifizierungsangebote eingerichtet. Folgende Angebote sind vorgesehen:

  • Qualifizierungsangebote mit Fokussierung auf die Förderung von sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen in der Grundschule. Geplant sind begleitende, einwöchige Kompaktkurse (40 h) als freiwilliges Weiterbildungsangebot für den Anfangsunterricht. Der Kurs wird vom WiB e.V. konzipiert und ist ausgerichtet auf die konkrete Förderung von Basiskompetenzen in der Einzelförderung oder Kleingruppe.
  • Einweisungsangebote zur Nutzung von intelligenten, adaptiven Online-Lernprogrammen in Schule (digitale Lehr-Lernwerkzeuge für die tutorielle Lernbegleitung).
  • Für weitere fachdidaktische Qualifizierungen im Bereich der Sekundarstufe I können Kompaktangebote für den Seiteneinstieg genutzt werden. Zusätzlich stehen die Beraterinnen und Berater des BUSS zur Unterstützung bzw. Beratung zur Verfügung.

Alle Angebote können grundsätzlich auch für zusätzlich eingestelltes Personal an Schule und weitere Honorarkräfte genutzt werden. Der Kontakt mit den Studierenden kann weiterhin über die Vermittlungsplattform Lernassistenz.de der Universität Potsdam hergestellt werden, fast 800 Studierende sind dort registriert. Seit November 2021 steht dort auch ein zusätzliches Tool für konkrete Bedarfsanzeigen von Schulen zur Verfügung.

Mit Beginn des Schuljahres 2021/22 konnte das Studierendenprogramm fortgesetzt werden. Mit Stand Februar 2022 sind insgesamt 497 Honorarverträge mit Studierenden geschlossen worden.
> Aufholen nach Corona – Lernbegleitung durch Studierende von allen Seiten stark nachgefragt

Die Entscheidung der Schulämter über den Abschluss eines Honorarvertrages orientiert sich grundsätzlich an den Bedarfskriterien des Aktionsprogramms (zusätzliche Förderangebote).

In den Herbstferien 2021 wurden in einer Kompaktwoche bereits die ersten 40 Studierenden am Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) qualifiziert. Eine weitere Kompaktwoche ist im April 2022 geplant. Schwerpunkte der Qualifizierung sind insbesondere der Anfangsunterricht sowie die außerschulische Förderung an Grundschulen (rund 75 Prozent aller Studierenden im Programm sind aktuell an Grundschulen tätig).

Ab dem 2. Halbjahr 2021/2022 stehen den Schulen zur individuellen Förderung auch zusätzliche digitale Lehr-Lern-Werkzeuge insbesondere zur Förderung mathematischer und sprachlicher Basiskompetenzen über Landeslizenzen zur Verfügung (s. Nr. 2). Die tutoriellen Systeme können u.a. von den Studierenden (und weiterem Personal in Schule im Rahmen des Aktionsprogramms) für die Lernbegleitung genutzt werden.

Ferienprogramm

In den ersten zwei Wochen der Sommerferien 2022 können von Trägern, die auf der Träger- und Angebotsplattform registriert und gelistet sind, Ferienprojekte angeboten werden. Dabei soll es sich um Projekte handeln, bei denen Lernangebote und soziale Begegnungen verknüpft sind.
> Angebotsplattform "Aufholen Brandenburg"

Diese Träge können Anträge auf Förderung ihrer Ferienangebote stellen. Das Antrags- und Abrechnungsverfahren gestaltet sich so wie bei den außerschulischen Angeboten (siehe nachfolgendes Element: Lern- und soziale Kompetenzförderung durch außerschulische Angebote).

Lern- und soziale Kompetenzförderung durch außerschulische Angebote

Im Mittelpunkt steht die Förderung von unterrichtsergänzenden Angeboten, die sich auf verschiedene Kompetenzbereiche sowie auf die soziale Entwicklung beziehen. In kleinen Lerngruppen können Lernlücken geschlossen, die Lernmotivation erhöht, Angebote verschiedener Fachlichkeit, aber auch gemeinschaftliches Erleben und Bewegungsangebote ermöglicht werden. Die Angebote sollen im Schwerpunkt am Nachmittag von verschiedenen Trägern umgesetzt werden. Denkbar sind aber auch Projekttage und andere Formate. Aufgrund der Trägervielfalt können die unterschiedlichen Bedarfe der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden. Für die Umsetzung stehen 23,4 Millionen Euro für den Zeitraum von August 2021 bis zum 31. Juli 2023 zur Verfügung. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt in zwei Stufen:

Aktuell: 2. Stufe
In der 2. Stufe, die seit dem 1. Dezember 2021 umgesetzt wird, werden die Mittel zielgerichteter eingesetzt und richten sich an Schülerinnen und Schüler mit besonders großen Bedarfen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen ergänzend zu den schulischen Angeboten in ihrer fachlichen und sozialen Kompetenzentwicklung in der Regel im Rahmen von kleinen Lerngruppen gefördert werden.  Denkbar sind auch Projektangebote insbesondere für die emotionale und soziale Förderung. Beispiele hierfür sind:

  • Personale und soziale Kompetenzen (Verhalten, Selbstvertrauen, Selbstorganisation, Kommunikation, Kooperation, Lernmotivation, usw.). Träger und Unterstützer hierfür können beispielsweise sein: Träger der Jugendhilfe, Träger von kulturellen Einrichtungen (z. B. Theater)
  • Förderung fachlicher und methodischer Kompetenzen (z. B. mathematische Basiskompetenzen, Sprach- und Lesekompetenzen, naturwissenschaftliche oder Kompetenzdefizite in Fremdsprachen, Lernstrategien, Arbeitstechniken, usw.). Möglich sind Förderstunden für Lerngruppen mit Fächerbezug, fächerübergreifende Angebote, Formate des Lerntrainings oder zu einzelnen Fachkompetenzen mit anderen Lernformaten, Träger und Unterstützer hierfür können sein: Nachhilfeeinrichtungen, Lesepaten, Bibliotheken, Volkshochschulen usw.

Zur Unterstützung der Schulen ist seit dem 17. November 2021 eine Angebotsplattform "Aufholen Brandenburg" freigeschaltet, auf der sich mögliche Träger registrieren und listen lassen können. Die Träger müssen dabei auch Angaben zur fachlichen Kompetenz des Personals vornehmen. Die Schulen können passende Angebote auswählen und mit den Trägern kommunizieren. Im Ergebnis können für mehrere Wochen Lerngruppen zu den o. g. Kompetenzbereichen gebildet werden. Auch hier werden zwischen der Schule und den Trägern – wie in der 1. Stufe – Vereinbarungen geschlossen. Zur Vereinfachung des Verfahrens wurden Vordrucke entwickelt, die über die Träger- und Angebotsplattform abrufbar sind. Die finanzielle Abwicklung erfolgt zwischen den Trägern und den vom MBJS beauftragten beiden Regionalpartnern kobra.net gGmbH und Stiftung SPI. Die Schule muss nach Abschluss der Maßnahme mittels eines Vordrucks bestätigen, dass sie stattgefunden hat.
> Angebotsplattform "Aufholen Brandenburg"

Weiterhin können auch Einzelpersonen Projekte und Maßnahmen anbieten. Für die Zulassung von Einzelpersonen bedarf es Kriterien, die diese Personen erfüllen müssen. Die Einzelpersonen müssen sich nicht auf der Träger- und Angebotsplattform listen lassen, da diese i. d. R. den Schulen bekannt sind, da bereits in der Vergangenheit mit ihnen Angebote durchgeführt oder sie empfohlen worden sind.

An die Schulen und Träger wurden Schreiben versandt, in denen das Verfahren zur Umsetzung der 2. Stufe beschrieben ist. In diesen Schreiben wurde u. a. mitgeteilt, dass die Beträge der Förderung für soziale und zur fachlichen Unterstützung als feste Stundensätze verankert sind. Hierbei handelt es sich um Stundensätze a. 40 Euro je Zeitstunde bzw. a. 70 Euro je Zeitstunde.

Die Entscheidung zur Verteilung der Mittel (als fiktive Größen, da die Schulämter diese nicht bewirtschaften) erfolgt durch die Schulämter und hier auf der Basis der von den Schulen gemeldeten Bedarfe. Auch hierzu haben die Schulämter ein erläuterndes Schreiben erhalten. Die staatlichen Schulämter Cottbus, Neuruppin und Brandenburg a. d. Havel erhalten zunächst bis zum Ende dieses Schuljahres (31.7.2022) ein fiktives Budget i. H. v. 2 Millionen Euro, das Staatliche Schulamt Frankfurt (Oder) i. H. v. 2,3 Millionen Euro. Bedarfe durch die Schulen können jederzeit an die Schulämter gemeldet werden. Zudem werden das Fachreferat sowie die Regionalpartner den Prozess unterstützen.

1. Stufe
Von Mitte August bis 30. November 2021 stand allen Schulen einmalig ein Budget von bis zu 3.000 Euro für Maßnahmen, die das soziale Miteinander befördern, zur Verfügung. Auf diese Weise konnten die Schülerinnen und Schüler nach der langen Zeit der Distanz und des Wechselunterrichts den Ort Schule wieder als sozialen Lern- und Begegnungsraum erleben.

Die Schulen haben Projekttage für die gesamte Schule, Tagesangebote, an Nachmittagen, aber auch Angebote für bestimmte Lerngruppen oder Jahrgangsstufen durchgeführt. Es wurden Kulturschaffende, Sportvereine, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, aber auch Museen, Bibliotheken usw. einbezogen. Die Projekte wurden teilweise mit vorhandenen Maßnahmen in den Schulen gekoppelt bzw. haben diese ergänzt.

Das Verfahren wurde so einfach wie möglich gestaltet. Die Schulen gingen auf freie Träger zu, um gemeinsam eine Projektidee umzusetzen und schlossen eine Vereinbarung. Nach Abschluss des Projektes bestätigte die Schule die Durchführung des Projektes. Die finanzielle Abwicklung erfolgte über zwei vom MBJS beauftragte Geschäftsbesorger.  Diese sind die Kobra.net gGmbH und die Stiftung SPI. Die Regionalpartner sind jeweils für zwei staatliche Schulämter zuständig.

Die Maßnahme ist seitens der Schulen auf Zustimmung gestoßen. Aus den Rückmeldungen wurde die Vielfalt der Projekte deutlich. Zu diesen zählen erlebnispädagogische Angebote, Theaterprojekte, Team-Tage, Angebote zur gesunden Ernährung, sportliche Aktivitäten, Schulfahrten u.v.m. Oftmals wurden an den Schulen mehrere Projekte umgesetzt.

Mit Stand 1. März 2022 sind für die 1. Stufe Mittel i. H. v. insgesamt rund 1,9 Millionen Euro abgerufen worden.

Stärkung durch Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist eine wichtige Kooperationsform von Jugendhilfe und Schule, die neben der schulischen Situation der Kinder und Jugendlichen auch ihre häusliche Situation und ihre Freizeitbedürfnisse im Blick hat. Es stehen im Rahmen der Umsetzung des Aktionsprogramms für zwei Schuljahre insgesamt 7,4 Millionen Euro für den Ausbau der Schulsozialarbeit zur Verfügung.

In jedem Jugendamtsbezirk werden Fördermittel bereitgestellt, die eine Vollfinanzierung von drei zusätzlichen sozialpädagogischen Fachkräften in der Schulsozialarbeit (Bachelor Soziale Arbeit oder vergleichbarer Abschluss) bzw. die Erhöhung vorhandener Beschäftigungsumfänge für die nächsten beiden Schuljahre ermöglicht. Damit stehen 54 zusätzliche Stellen zur Verfügung.

Für die möglichen Einsatzorte fanden auf regionaler Ebene Verständigungen zu möglichen Standorten an Grundschulen, weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in der Sekundarstufe I und Oberstufenzentren zwischen den zuständigen Jugend- und Bildungsverwaltungen statt.

Die Fördermittel werden auf der Basis einer Richtlinie ausgereicht.  

Aktuell konnten 54 zusätzliche Stellen im Bereich Schulsozialarbeit (je Landkreis, kreisfreier Stadt drei Stellen) gefördert werden. Alle Landkreise und kreisfreien Städte haben Ihr entsprechendes Budget beantragt. Die Zuwendungsbescheide sind versandt worden. Inzwischen sind auch die neu zu schaffenden Stellen bzw. die Verstärkung vorhandener Angebote der Schulsozialarbeit umgesetzt. An einzelnen Standorten dauern die Besetzungsverfahren noch an.

Ausbau der Jugendfreiwilligendienste

Im Rahmen des Bundesprogramms „Aufholen nach Corona“ sind u. a. die Jugendfreiwilligendienste Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) als Unterstützungsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche vorgesehen. Für zusätzliche Plätze im FSJ und FÖJ sind im Zeitraum ab 1. September 2021 bis zum Ende des Schuljahres 2022/2023 insgesamt 3,1 Millionen Euro veranschlagt. Die Finanzierung erfolgt auf der Basis einer Förderrichtlinie. Rahmen dieser Richtlinie sollen zusätzlich geförderte FSJ- und FÖJ-Plätze sein, die es jungen Freiwilligen ermöglichen, in Schulen sowohl in öffentlicher wie in privater Trägerschaft und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe psychosoziale und schulische Folgen der Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie zu mildern. Kinder und Jugendliche sollen so in ihrer Resilienzfähigkeit gestärkt werden. Jugendfreiwilligendienstleistende sollen zudem beim Aufholen von Lernrückständen den Kindern und Jugendlichen in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften Hilfestellung geben.

In enger Abstimmung mit den anerkannten Trägern der Jugendfreiwilligendienste wurde die „Förderrichtlinie zur Förderung zusätzlicher Plätze der Jugendfreiwilligendienste“ erarbeitet. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) wurde als Geschäftsbesorger gewonnen. Im Ergebnis hatten die Träger 151 zusätzliche Plätze in der Kinder- und Jugendhilfe beantragt, die sie für einen maximal 12-monatigen Zyklus belegen. Zusätzlich haben vier Träger insgesamt 40 zusätzliche Plätze im Segment „FSJ Corona Schule“ für ein Jahr beantragt. Alle diese Plätze wurden bewilligt. Mit Stand vom 4.1.2022 konnten 110 von den insgesamt 191 Plätzen belegt werden. Im Freiwilligenjahr 2022/2023 können voraussichtlich nochmals 40 Plätze im „FSJ Corona Schule“ – insgesamt 80 Plätze – realisiert werden. Um möglichst alle 191 Plätze zu besetzen, wurde nochmals um Freiwillige geworben, um in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe psychosoziale und schulische Folgen der Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie zu mildern.

Bewegungsangebote und Schwimmkurse

Für zusätzliche Bewegungsangebote stehen 100.000 Euro (davon in 2022: ca. 70.000 Euro und in 2023: ca. 30.000 Euro) und für Schwimmkurse 500.000 Euro (davon in 2021: ca. 20.000 Euro, in 2022: ca. 280.000 Euro, in 2023: 200.000 Euro) zur Verfügung, die in Kooperation mit den Sportorganisationen in zwei Teilbereichen umgesetzt werden.

Für Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter mit motorischen Defiziten und ggf. sozialen und emotionalen Auffälligkeiten werden zusätzliche Bewegungsangebote in Kooperation mit den Sportorganisationen eingerichtet. Diese finden unter der Überschrift „Kinder in Bewegung“ statt. Ziel ist es, die individuelle und zielorientierte Unterstützung bei der Bewältigung pandemiebedingter Bewegungsrückstände im Fach Sport abzubauen sowie die physische und psychische Gesundheit gleichzeitig zu stärken. Für die Ermittlung der Lernrückstände wird die EMOTIKON-Datenbasis in weBBschule genutzt.

Die inhaltliche Ausgestaltung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Märkischen Turnerbund (MTB). Interessierte Eltern können sich auf dessen Internetseite www.maerkischer-turnerbund.de informieren und anmelden. Die Gewinnung der Lehrkräfte und Übungsleiter bzw. Trainer der Sportvereine, die jeweils eine Gruppe als Tandem betreuen, ist erfolgt. Pandemiebedingt mussten jedoch die als Präsenzveranstaltungen im Dezember geplanten Qualifizierungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Das Programm „Kinder in Bewegung“ wird an den Schulen am Nachmittag oder im Rahmen des Ganztags seit Beginn des 2. Schulhalbjahres 2021/22 umgesetzt. Momentan stehen landesweit ca. 40 Angebote bereit. Der Ausbau erfolgt kontinuierlich.
> www.maerkischer-turnerbund.de

Die zentrale Auftaktveranstaltung für das Programm findet in der Schollgrundschule in Falkensee am 30. März 2022 im Beisein von Bildungs- und Sportministerin Britta Ernst statt.

Sicher Schwimmen können ist sowohl Teil der motorischen Grundbildung als auch Ziel des Schwimmunterrichts in der Schule. Ziel ist es, das Erreichen der jeweiligen Niveaustufe des Sicher- Schwimmen-Könnens anzustreben. Mit Stand vom 25.1.2022 fanden über 100 Schwimmkurse statt, in deren Ergebnis 2.077 Schwimmabzeichen abgelegt wurden. Neben den personellen Aspekten sind die Schwimmbadkapazitäten begrenzende Faktoren. Insofern ist das Programm auf zwei Jahre angelegt, um auf diesem Weg den ausgefallenen Schwimmunterricht anteilig nachholen zu können. Vor dem Hintergrund der begrenzten Schwimmhallenkapazitäten werden in den Sommermonaten auch Freibadangebote unterbreitet. Die Schulen und die bestehenden Schulschwimmzentren prüfen in eigener Zuständigkeit, ob sie regional zusätzliche Kapazitäten für den ausgefallenen Schwimmunterricht nutzen können. Die jeweiligen staatlichen Schulämter koordinieren dies mit den jeweiligen Unterstützungssystemen für das Schulschwimmen.

Um Bedarf und Angebot besser koordinieren zu können, wurden ab Anfang Dezember 2021 an die Eltern der nicht schwimmenden Kinder ein Brief aus weBBschule heraus generiert, mit dem sie ihre Kinder auf der Internetseite wir-bewegen-brandenburg.de der Brandenburgischen Sportjugend registrieren und für die regional angebotenen Schwimmkurse anmelden können. Mit Stand vom 25. Februar 2022 konnten 1.176 Interessenbekundungen von Eltern positiv beschieden werden.
> wir-bewegen-brandenburg.de

Freizeitangebote

Für das Jahr 2022 stehen 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist es, auch im nächsten Jahr insbesondere Angebote zur Erholung, außerschulischen Bildung und des sozialen Miteinanders zu fördern. Solche Angebote werden von Jugendverbänden und anderen Trägern der freien Jugendhilfe, von Kommunen, aber auch vom Jugendherbergswerk oder anderen nicht-kommerziellen Anbietern unterbreitet. Die Förderung soll ab dem Frühjahr 2022 erfolgen. Nach Abstimmung des Richtlinienentwurfs mit dem Landes-Kinder- und Jugendausschuss und den kommunalen Spitzenverbänden wird nun die Mitzeichnung der Richtlinie durch das Finanzministerium (MdFE) und das Innenministerium (MIK) eingeleitet.


Zur Unterstützung und weiteren Beratung der Schulen hat das Bildungsministerium (MBJS) Verträge mit zwei Regionalpartnern abgeschlossen. Diese werden auch die finanzielle Abwicklung und Abrechnung zu den durchgeführten Projekten übernehmen. Die Regionalpartner sind dabei für Schulen in jeweils zwei Schulamtsbereichen zuständig.

Für die Staatlichen Schulämter Brandenburg an der Havel und Neuruppin:
kobra.net,
Kooperation in Brandenburg, gemeinnützige GmbH
E-Mail: aufholen@kobranet.de
Tel.: 0331 - 81320270
Anschrift: kobra.net, Aufholen nach Corona, Benzstraße 8/9; 14482 Potsdam

Für die Schulämter Cottbus und Frankfurt (Oder):
Stiftung SPI
E-Mail: aufholen@stiftung-spi.de
Tel.: 0355 - 28863876
Anschrift: Stiftung SPI/Niederlassung Brandenburg Süd-Ost, Aufholen nach Corona, Berliner Straße 54, 03046 Cottbus



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