„Kita-Check“: Brandenburg führt neues Evaluationsinstrument zur Förderung und nachhaltigen Entwicklung der Kita-Qualität ein

Die nachhaltige Weiterentwicklung der Qualität der frühkindlichen Bildung ist ein vorrangiges Ziel brandenburgischer Landespolitik. Das Land eröffnet ab Herbst 2020 die Möglichkeit für Kitas, sich freiwillig mit einem neuen Instrument der externen Evaluation – dem „Kita-Check“ – qualitativ messen zu lassen. Bildungsministerin Britta Ernst informierte heute im Landtagsausschuss für Bildung, Jugend und Sport über das Konzept, das mit einer Fachtagung am 25. März 2020 startet.

Die Einführung des „Kita-Checks“ geht auf einen Beschluss des damaligen Landtags vom Dezember 2017 zurück, wissenschaftlich fundierte Prozesse der Qualitätsentwicklung und des Qualitätsmonitorings in den Einrichtungen der frühkindlichen Bildung voranzutreiben. Dazu gehört auch die landesweite Einführung eines Methodensystems zur Qualitätsfeststellung. Dieser „Kita-Check“ soll die Kita-Qualität aus verschiedenen Perspektiven – Kinder, Eltern, pädagogische Fachkräfte, externe Experten – abbilden und die Qualitätsentwicklung zielgerichtet fördern.

Bildungsministerin Britta Ernst: „Als entscheidende Orte der frühkindlichen Bildung müssen Kitas mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten. Sie sollen sich in drei Feldern entwickeln – bei der Betreuungsquote, der Elternbeitragsbefreiung und bei der pädagogischen Qualität. Mit diesen Zielen hat Brandenburg eine umfassende Kitarechtsreform eingeleitet und wird bis 2023 ein neues Kitagesetz vorlegen. Damit einher geht die Einführung des ‚Kita-Checks‘, der ein wichtiges Instrument zur gezielten Evaluation und Steuerung der Kita-Qualität ist. Nach einer dreijährigen Pilotphase sollen anschließend alle Kitas in Brandenburg diese Möglichkeit zur Qualitätsentwicklung erhalten. Alle im Kita-Bereich relevanten Akteure haben in breiter öffentlicher Aussprache ihre Vorschläge und Ideen unterbreitet. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement; insbesondere dem IFK der Universität Potsdam für die konzeptionelle Arbeit am Kita-Check.“

Professor Dietmar Sturzbecher vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam (IFK) betont, dass der „Kita-Check“ und die gemeinsame konstruktive Weiterentwicklung der Bildungs- und Betreuungsqualität auch einen Wandel des Qualitätsdenkens voraussetzen: „Die Qualitätsentwicklung wird nicht betrieben, weil eine ‘schlechte Qualität‘ herrscht, sondern weil die Kindertagesbetreuung mit den Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels Schritt halten muss. Die Qualitätsfeststellung wird nicht durchgeführt, um Kindertageseinrichtungen zu kontrollieren, sondern um die Förderung der Bildungsqualität zielgerichtet zu steuern. Sie sollte also – wie auch die Qualitätsförderung – landesweit Normalität für alle Kitas sein.“

Hintergrund zum „Kita-Check“:

Das MBJS beauftragte das Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam (IFK), im Dialog mit den relevanten Akteuren im Kita-Bereich eine Analyse der Qualitätsmanagementsysteme frühkindlicher Bildung zu erstellen. Die Analyse machte deutlich, dass die freien und öffentlichen Träger der Jugendhilfe bezüglich des Qualitätsmanagements der Kitas sehr heterogen entwickelt sind. Bislang gibt es keine landesweit einheitlichen Qualitätsstandards. Einige freie und kommunale Träger haben eigene Qualitätsmanagementsysteme entwickelt, aber nur in höchstens einem Drittel der Kitas wird die Qualität regelmäßig extern festgestellt. Deshalb wünschten sich viele Akteure ein landesweit gültiges methodisches Referenzinstrument, das wissenschaftlich begründet und empirisch erprobt ist.

Für die Ausgestaltung und Durchführung des „Kita-Checks“ erarbeiteten IFK und MBJS 2019 ein Konzept, stellten es der Fachöffentlichkeit vor und diskutierten es auf Workshops in ganz Brandenburg. An diesem Dialog nahmen über 500 Akteure der Kindertagesbetreuung teil; eine sehr breite Mehrheit begrüßte das Konzept.

Der „Kita-Check“ soll mit unterschiedlichen Methoden die Qualitätsbewertungen und Qualitätsanforderungen aller Akteure der Kindertagesbetreuung erfassen. Seine Bestandteile sind:

  • Kinderbefragung,
  • Elternbefragung,
  • Fachkräftebefragung,
  • Konzeptionsanalyse,
  • Beobachtung der Prozessqualität und
  • Rückmeldung der Ergebnisse.

Die Ergebnisse der „Kita-Checks“ sollen in den Kitas unter Einbeziehung von Eltern und Kindern diskutiert werden und die Grundlage für eine gemeinsam getragene Qualitätsentwicklung bilden. So kann im Dreiklang von Kita, Träger und Jugendamt mithilfe des „Kita-Checks“ die Qualität systematisch gefördert und weiterentwickelt werden. Auf der Grundlage der übergreifenden Ergebnisse der „Kita-Checks“ soll auch auf Landesebene ein Qualitätsmonitoring-System entwickelt werden, auf dessen Grundlage der bedarfsgerechte Ausbau der Praxisunterstützungssysteme, wie zum Beispiel Fortbildungsangebote, kontinuierlich vorangetrieben werden kann.

Der „Kita-Check“ startet in diesem Jahr in eine dreijährige Pilotphase. In dieser Zeit erhalten interessierte Einrichtungen – auch Krippen und Horte – die Möglichkeit zur Teilnahme. Die Erprobungsphase geht einher mit einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Das MBJS wird die Methoden des „Kita-Checks“ und die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens auf einer Fachtagung am 25. März 2020 in Potsdam präsentieren und damit das Projekt starten.


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