Bilinguale Angebote und Fremdsprachenzertifikate

Bilingualer Unterricht leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Mehrsprachigkeit, für fachübergreifendes Arbeiten und interkulturelles Lernen. Bilingualer Unterricht wird in Form von durchgehendem fremdsprachigen Sachfachunterricht und von bilingualen Modulen erteilt. Die Module sind inhaltlich, zeitlich und organisatorisch flexibel und dienen der Erweiterung der fremdsprachlichen Kompetenz bei der Bewältigung fachspezifischer Situationen. Bilinguale Bildungsangebote werden derzeit in den Sachfächern Geografie, Geschichte, Politische Bildung, Kunst, Musik und Biologie jeweils in den Zielsprachen Englisch, Französisch, Polnisch und Sorbisch/Wendisch unterrichtet. Bilingualer Unterricht findet an insgesamt 31 allgemein bildenden Schulen statt. Darunter befinden sich drei Grundschulen, 19 Gymnasien, zwei Gesamtschulen, 5 Oberschulen bzw. Oberschulen mit Primarstufe. Laut Schuldatenerhebung für das Schuljahr 2015/2016 lernten insgesamt mehr als 1.200 Schülerinnen und Schüler im bilingualen Unterricht. Außerdem gibt es in Brandenburg zwei Schulen, die mit dem International Baccalaureate Diploma (IB) einen international anerkannten Schulabschluss in der Unterrichtssprache Englisch anbieten: Die Berlin Brandenburg International School (BBIS) in Kleinmachnow und das Gymnasium des Leonardo da Vinci-Campus in Nauen.

Polnisch-Unterricht an brandenburgischen Schulen

Es gibt eine Vielfalt von Möglichkeiten, sich die polnische Sprache im Unterricht der allgemein bildenden Schulen, der Förderschulen, beruflichen Schulen und Schulen des Zweiten Bildungsweges anzueignen. Die polnische Sprache kann als Begegnungssprache, als zweite oder dritte Fremdsprache oder als Wahlunterricht bzw. Arbeitsgemeinschaft gewählt werden.

  • Polnisch als Begegnungssprache wird in Grundschulen in den Jahrgangsstufen 1 und 2 angeboten und in die Fächer und Lernbereiche integriert. Die Begegnungssequenzen umfassen in der Regel 10 bis 20 Minuten, es werden keine Noten erteilt.
  • Wahlunterricht kann als zusätzlicher Unterricht angeboten werden, die Teilnahme ist freiwillig. Mit der Entscheidung am Wahlunterricht teilzunehmen, begründet sich jeweils für ein Schuljahr die Pflicht zur regelmäßigen Teilnahme am Unterricht. Der Wahlunterricht wird nicht auf die Wochenstundentafel angerechnet, eine Leistungsbewertung erfolgt nicht.
  • Polnisch als weitere erste Fremdsprache ist an den 21 Europaschulen des Landes Brandenburg ist möglich. Die Schulen entscheiden selbst und je nach Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler und der Eltern, welche Form des Polnischunterrichts sie anbieten.

Die meisten Angebote gibt es im grenznahen Bereich zu Polen. Im Bereich des Staatlichen Schulamtes Frankfurt (Oder) findet an vier Grundschulen begegnungssprachlicher Unterricht in den Jahrgangsstufen 1 und 2 statt. An elf Schulen (Grund-, Ober- und Förderschulen) erlernen Schülerinnen und Schüler die polnische Sprache im Rahmen des Wahlunterrichts. An 15 Schulen aller Schulformen im allgemein bildendenden Bereich (Grund-, Ober- und Gesamtschulen, Gymnasium) und drei Oberstufenzentren wird Polnisch als Fremdsprache unterrichtet. (Stand: 29.02.2016). An 24 Grundschulen im grenznahen Raum zu Polen finanziert das Bildungsminsterium Polnisch-Arbeitsgemeinschaften. Am Städtischen Gymnasium Frankfurt (Oder) wird Musik und Kunst in polnischer Sprache erteilt. Gleichzeitig ist dieses Gymnasium eine Schule mit „Latarnia“-Projekt. Insgesamt 2.469 Schülerinnen und Schüler erlernten im Schuljahr 2015/2016 die polnische Sprache an Brandenburgs Schulen (Quelle: Schuldatenerhebung).

Deutsch-polnische Schulprojekte

Deutsch-polnische Schulprojekte sind auf den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife ausgerichtet, dabei besuchen deutsche und polnische Schülerinnen und Schüler (12 bis 25 Jahre) gemeinsam den Unterricht. Polnisch ist in der Regel die zweite Fremdsprache, im Ausnahmefall Wahlunterricht. Das Angebot wird ab Jahrgangsstufe 7 eingerichtet. Schulen mit deutsch-polnischen Schulprojekten kooperieren mit mindestens einer polnischen Partnerschule, die polnischen Schülerinnen und Schüler werden dort zielgerichtet auf den Schulbesuch in Brandenburg vorbereitet. Polnische Schülerinnen und Schüler können – unter Berücksichtigung der Vorgaben des Schulträgers und der Schulbehörden – nur in die Jahrgangsstufen 10 und 11 aufgenommen werden. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport. Folgende Schulen beteiligen sich an deutsch-polnischen Schulprojekten:

Schule mit „Latarnia"-Projekt

In diesem Projekt kooperieren jeweils eine polnische mit einer deutschen Schule in den Jahrgangsstufen 7 bis 10. Der Unterricht in den beteiligten Klassen findet abwechselnd an der Heimatschule und der polnischen Partnerschule statt. In der Jahrgangsstufe 7 wird in den Partnerschulen eine paritätisch zusammengesetzte deutsch-polnische Klasse gebildet, die abwechselnd an einem Wochentag regulären Unterricht entweder in der brandenburgischen oder der polnischen Partnerschule absolviert. In den Jahrgangsstufen 7 bis 9 erfolgt die Kooperation auf polnischer Seite mit einem Gimnazjum und in 10 in einem Liceum. Die Partnerschulen legen die Fächer für den Unterricht in den Projektklassen fest. Besonders geeignet sind Kunst, Musik, Sport, Erdkunde, Mathematik und Informatik. Das Städtische Gymnasium I Frankfurt (Oder) beteiligt sich am Latarnia-Projekt.

Muttersprachlicher Unterricht

Dieser freiwillige Zusatzunterricht richtet sich grundsätzlich an Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Der Unterricht wird ab einer Gruppengröße von mindestens 12 Schülerinnen und Schülern mit der gleichen Muttersprache gefördert. Er findet für maximal vier Unterrichtsstunden pro Woche nach dem regulären Unterricht statt. 111 Schülerinnen und Schüler nahmen im Kalenderjahr 2015 im Land Brandenburg am muttersprachlichen Unterricht in Polnisch teil.

Gruppen für muttersprachlichen Unterricht bestehen an folgenden Schulen:

Sorbisch/Wendisch an brandenburgischen Schulen

Im Siedlungsgebiet der Sorben und Wenden wird an einer Reihe von Grundschulen in ausgewählten Fächern bilingualer Sachfachunterricht und fakultativer Fremdsprachenunterricht im Fach Sorbisch/Wendisch angeboten. Das Angebot obligatorischen Fremdsprachenunterrichts im Fach Sorbisch/Wendisch bzw. bilingualen Unterrichtsmodulen wird in einer Oberschulklasse fortgesetzt. Das Niedersorbische Gymnasium in Cottbus erteilt obligatorisch Fremdsprachenunterricht im Fach Sorbisch/Wendisch und führt bilingualen Unterricht bzw. bilinguale Unterrichtsmodule in ausgewählten Sachfächern durch. Des Weiteren wird an einem Oberstufenzentrum fakultativer Fremdsprachenunterricht im Fach Sorbisch/Wendisch angeboten. Dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Bewahrung und Förderung der sorbischen Sprache und Kultur und deren Vermittlung wird in den Schulen Rechnung getragen.

Die Arbeitsstelle für sorbisch/wendische Bildungsentwicklung beim Staatlichen Schulamt Cottbus ist mit der Entwicklung des Rahmenlehrplans Sorbisch/Wendisch für alle Schulstufen, der Gestaltung von Fortbildung für alle Sorbisch/Wendisch-Lehrkräfte und der Erstellung von Lehrmaterialien für den Sorbisch/Wendisch-Unterricht befasst. In Umsetzung des Sprachprogramms WITAJ – ein Programm zum Spracherwerb der sorbisch/wendischen Sprache mittels Immersion – in der Grundschule und in der Sekundarstufe I ist es Aufgabe, die Vorbereitung von Lehrkräften für den bilingualen Unterricht und in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Lehr- und Arbeitsmaterialien sowie Handreichungen für den bilingualen Unterricht vorzunehmen. Die Arbeitsstelle verantwortet ein Weiterbildungsstudium „Bilinguales Lehren und Lernen – Sorbisch/Wendisch als Arbeitssprache im Unterricht der Primarstufe bzw. in einem Sachfach der Sekundarstufe I/II“ in Zusammenarbeit mit dem Verein "Weiterqualifizierung im Bildungsbereich" (WiB e. V.) und der Universität Potsdam zur Qualifizierung von Lehrkräften für diese Aufgabe.

Internationale Fremdsprachenzertifikate

Neben den im Fremdsprachenunterricht erbrachten Leistungen können Schülerinnen und Schüler der allgemein bildenden Schulen freiwillig internationale Fremdsprachenzertifikate erwerben. Dafür sprechen motivationale, pädagogische und berufsbezogene Aspekte. Die Teilnahme an einer Zertifikatsprüfung kann für Schülerinnen und Schüler ein effizientes Mittel zur Überprüfung der individuellen Kompetenzen sein, da sie ihre im Fremdsprachenunterricht und ggf. im bilingualen Sachfachunterricht erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten selbstständig ziel- und zweckgerichtet außerhalb des unterrichtlichen Kontexts anwenden können. Der Erwerb eines außerschulischen Fremdsprachenzertifikats steigert deshalb auch das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler. Sowohl schulische Leistungsüberprüfung als auch außerschulische Fremdsprachenzertifizierungen haben den Bezug zu den Kompetenzstufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen gemeinsam. Auf dieser haben die Anbieter von Fremdsprachenzertifikaten Prüfungsformate mit standardisierten Aufgabentypen entwickelt, um das erreichte Kompetenzniveau zu messen. Diese Zertifikate stoßen auf immer größeres Interesse bei Fremdsprachenlehrkräften und den Schülerinnen und Schülern, da es sich bei den zertifizierten Sprachkenntnissen um dokumentierte Kompetenzniveaus handelt, die den nationalen und internationalen Arbeitgebern bekannt sind und den Schülerinnen sowie Schülern erweiterte Chancen in ihrem weiteren Bildungsweg, im künftigen Beruf und im Studium bieten. Die Zertifikate besitzen eine zeitlich unbestimmte Gültigkeit.

DELF scolaire

Das Bildungsministerium hat mit der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Deutschland eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, in deren Mittelpunkt der Erwerb der Zertifikate des DELF scolaire für Schülerinnen und Schüler der allgemein bildenden Schulen stehen. Die kostenpflichtigen Prüfungen finden auf den vier Niveaustufen A1 bis B2 statt und können unabhängig voneinander abgelegt werden.

CertiLingua

Mit dem Exzellenzlabel CertiLingua liegt ein international anerkannter Nachweis für besondere mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenzen vor, das Abiturientinnen und Abiturienten, die über herausragende fremdsprachliche und internationale Qualifikationen verfügen, nach einem einheitlichen europäischen Verfahren erhalten können. Zu den Kriterien gehören: exzellente Kompetenzen in zwei modernen Fremdsprachen auf dem Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, bilinguale Sachfachkompetenz und eine in der Zielfremdsprache gefertigte Dokumentation darüber, sich in grenzüberschreitenden Projekten mit europäischen und internationalen Themen tiefgründig auseinandergesetzt zu haben. Durch die intensive sprachliche und inhaltliche Beschäftigung werden die Absolventinnen und Absolventen in besonderer Weise auf internationale Studiengänge und für die spätere berufliche Orientierung unter internationalem Blickwinkel vorbereitet. Das CertiLingua-Programm versteht sich als eine Maßnahme, die u.a. dazu dient, die Qualität des schulischen Fremdsprachenunterrichts weiterzuentwickeln, Lernanreize zu schaffen, interkulturelles Lernen zu fördern, internationales Engagement anzuerkennen und das schulische Profil zu bereichern.


Die bisherigen Erfahrungen mit bilingualem Unterricht sind positiv und weisen auf einen Qualitäts- und Innovationsschub für Schulen hin. Dieser kommt insbesondere in der wachsenden fremdsprachigen sachfachorientierten Kommunikationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zum Ausdruck. Bilinguale Bildungsangebote fördern zudem innerschulische Unterrichts- und Schulentwicklungsprozesse. So werden Kommunikationsprozesse innerhalb des Kollegiums und die Zusammenarbeit der Fachkonferenzen intensiviert, die gezielte Reflexion von Lehr- und Lernprozessen und die verstärkte Entwicklung einer internationalen schulischen Atmosphäre begünstigt. Der Rahmen für die Erteilung bilingualer Unterrichtsangebote ist durch die bildungsgangbezogenen Regelungen für die Sekundarstufe I und die gymnasiale Oberstufe gegeben.



Organigramm / Anschrift

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Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Heinrich-Mann-Allee 107 (Haus 1/1a)
14473 Potsdam
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