Internationale Verfahren

Im Bereich der Auslandsadoption ist die existenzielle Not vieler Kinder und ihrer Eltern allgegenwärtig. Eine Adoptionsvermittlung ins Ausland ist nur verantwortbar, wenn das Kind in seinem Heimatland keine eigene bzw. keine andere geeignete Familie hat, die es aufnehmen kann. Das Haager Adoptionsübereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption gilt in Deutschland seit dem 01.01.2002. Adoptionsbewerber_innen sollten sich mit ihrem Wunsch, ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren, nur an die staatlich anerkannten Vermittlungsstellen freier Träger oder die Zentrale Adoptionsstelle wenden.

Vertragsstaat und Zentrale Behörde

Ein Vertragsstaat ist ein Land, das dem Haager Adoptionsübereinkommen beigetreten ist. Dieses Übereinkommen regelt die zwischenstaatliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption. Die Konvention soll sicherstellen, dass die internationale Adoption dem Wohl des Kindes dient. In jedem Vertragsstaat gibt es mindestens eine Zentrale Behörde im Sinne der Konvention. In Ländern von föderaler Struktur, so wie Deutschland, können es auch mehrere sein. Für Berlin und Brandenburg fungiert die Zentrale Adoptionsstelle Berlin-Brandenburg (ZABB) als Zentrale Behörde. Zentrale Behörden institutionalisieren das System der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption zwischen den Vertragsstaaten.

Auslandsadoption – internationale Adoption

Bei einer Auslandsadoption werden die jeweilig zuständigen Auslandsvermittlungsstellen/Behörden in den Ländern – Land, in dem die Bewerbenden leben und das Land, in dem das Kind lebt – tätig und kooperieren miteinander. Wenn sich alle Beteiligten davon überzeugt haben, dass die Adoption für das Kind zu einer Familie, die in einem anderen Land lebt, kindeswohlorientiert ist und die beste Option darstellt, wird eine Auslandsadoption durchgeführt. Das Land, aus dem das Adoptivkind stammt, wird auch als Herkunftsland bezeichnet, während das Land, in dem die Adoptionsbewerber_innen mit dem Adoptivkind als Adoptivfamilie leben, als Ankunftsland bezeichnet wird. Das Kind wird im Zuge der Adoption dann sein Herkunftsland verlassen und im Ankunftsland in einer neuen Familie leben. Man spricht von internationaler Adoption bzw. von grenzüberschreitender Adoptionsvermittlung.

Voraussetzungen für die Adoption eines ausländischen Kindes

Für die Adoption eines Kindes aus dem Ausland gelten die inländischen und zusätzlich die Adoptionsvorgaben des Herkunftslands. Auskünfte über diese und weitere rechtliche Bedingungen, auch zu verschiedenen Herkunftsländern, erteilen die Zentrale Adoptionsstelle Berlin-Brandenburg (ZABB) und die anerkannten Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft.

Annahme eines Kindes mit Auslandsbezug

Ein Adoptivkind benötigt besondere Aufmerksamkeit und möchte in seiner Einzigartigkeit angenommen werden. Eine tatsächliche Annahme gelingt nur, wenn auch seine Abstammung und Lebensgeschichte sowie sein Herkunftsland eine Wertschätzung in der neuen Familie erhalten. Dafür müssen Annehmende neben den o.g. Eignungsvoraussetzungen in besonderem Maße empathisch sein. Interkulturell adoptierte Kinder leben mit der Erfahrung des Verlustes ihrer leiblichen Familie bzw. den ehemaligen Bezugspersonen und zusätzlich ihres Herkunftslandes. Im Ankunftsland erleben sie das Gefühl des Andersseins und manchmal auch der Isolation. Oft fühlen sich diese Kinder im Laufe ihres Erwachsenwerdens weder in ihrem Herkunfts- noch Ankunftsland zugehörig. Adoptiveltern müssen ihr Kind auch diesbezüglich unterstützen können.

Herkunftsland des Kindes

Adoptivbewerber_innen sollten eine Verbundenheit zu dem Herkunftsland des Adoptivkindes haben und sich zum Beispiel intensiv mit der Kultur und der Situation der Kinder auseinandersetzen, zum Beispiel mit den Lebensbedingungen, die dazu führen, dass einzelne Kinder nicht bei ihren Eltern aufwachsen und oft keine Möglichkeit haben, in ihrem Heimatland vermittelt werden zu können.

Kosten einer internationalen Adoption

Die Zentralen Adoptionsstellen und die Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter erheben für ihre Tätigkeiten im Zusammenhang mit einer internationalen Adoption Gebühren. Die Gebührenordnung sieht für die Begleitung des internationalen Adoptionsverfahrens der Zentralen Adoptionsstelle eine Pauschale von 800 Euro und für die Eignungsfeststellung durch die Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes 1.200 Euro vor. Hinzu kommen weitere Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen, den Unterlagenversand sowie ggf. für die beteiligten Stellen im Herkunftsland (Verwaltung, Gericht, Anwalt) als auch Kosten für die Unterkunft und die Reisen. Anerkannte Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft dürfen keine Gewinne mit ihrer Vermittlertätigkeit erzielen. Über die dort entstehenden Kosten, kann sich direkt beim jeweiligen Träger informiert werden.

Verfahren der internationalen Adoptionsvermittlung

Eine anerkannte Auslandsvermittlungsstelle in freier Trägerschaft, die über eine Zulassung bzw. mehrere Zulassungen zur Vermittlung aus einem Vertragsstaat oder Nichtvertragsstaat des Haager Adoptionsübereinkommen verfügt, kann mit einem internationalen Adoptionsverfahren beauftragt werden. Die zuständige Zentrale Adoptionsstelle begleitet Adoptionsbewerber_innen in Einzelfällen ebenfalls bei Adoptionsverfahren mit Vertragsstaaten, wenn das andere Land die Kooperation wünscht. In besonderen Fällen ist - unter Berücksichtigung der Standards des Haager Adoptionsübereinkommens - auch ein Verfahren im Verhältnis zu Nichtvertragsstaaten möglich.

Ein internationales Adoptionsverfahren kann bei einer anerkannten Auslandsvermittlungsstelle in freier Trägerschaft oder bei der örtlich zuständigen Zentralen Adoptionsstelle (ZABB) beantragt werden. Die ZABB informiert über beide Verfahrenswege. Ist eine Entscheidung für eine Adoptionsvermittlungsstelle gefallen und eine Bewerbung eingereicht, ist eine weitere Bewerbung gesetzlich ausgeschlossen. Fachkräfte begleiten die Antragsteller_innen durch das gesamte Bewerbungs- und Vermittlungsverfahren.

Die Auslandsvermittlungsstelle ist verpflichtet, sich von der Eignung der Adoptionsbewerber zu überzeugen. Zu einer Eignungsfeststellung können Einzel- und Gruppengespräche, Seminare, Hausbesuche und schriftliche Äußerungen gehören. Eine wichtige Bedeutung kommt dabei dem Adoptionseignungsbericht bzw. Sozialbericht zu. In diesem werden die Ergebnisse der Eignungsfeststellung zusammengeführt. Die Auslandsvermittlungsstelle entscheidet, ob sie den Adoptionseignungsbericht selber erstellt oder von der örtlich zuständigen Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes anfordert. Wenn die Überprüfung der Auslandsvermittlungsstelle ein positives Ergebnis erbracht hat – und nur dann – darf sie den Adoptionseignungsbericht zusammen mit den anderen erforderlichen Unterlagen ins Ausland weiterleiten. Wenn der Bericht von den dortigen Adoptionsbehörden anerkannt wird, kann der Auslandsvermittlungsstelle anschließend ein Kindervorschlag zugesandt werden. Die Vermittlungsstelle informiert unverzüglich die Antragsteller_innen und lädt zu einem ausführlichen Beratungsgespräch ein und unterbreitet den Bewerber_innen den Kindervorschlag mit allen Informationen, die von ausländischer Seite im Kinderbericht gemacht worden sind.

Stimmen die Antragsteller_innen dem Kindervorschlag zu, werden sie aufgefordert, eine Erklärung über die Annahme des Kindervorschlags vor einer Urkundenperson des Jugendamtes (bei einem Land, das dem Haager Adoptionsübereinkommen beigetreten ist) oder bei der Ausländerbehörde (bei einem Nichtvertragsstaat des Haager Adoptionsübereinkommen) abzugeben. Damit ist automatisch die Übernahme einer Kostenverpflichtung geknüpft. Die Auslandsvermittlungsstelle bescheinigt der beteiligten Stellen im Ausland anschließend den Fortgang des Vermittlungsverfahrens. Dann ist der Zeitpunkt einer Reise gekommen, bei der die Antragsteller_innen das Kind persönlich kennenlernen können.

Vorbereitung auf das persönliche Kennenlernen des Kindes

Für die Adoptiveltern ist es der Anfang einer Familiengründung, für das Kind sind es die zweiten Eltern. Beziehungsabbrüche können für ein Kind ein traumatisches Erlebnis sein. Diese Erfahrung ist für seine Entwicklung mit der lebenslangen Auseinandersetzung mit seiner Identität verbunden. Adoptiveltern müssen sich auf die Ankunft des Kindes sehr bewusst vorbereiten, sich über die eigenen und zusammen mit dem Partner/der Partnerin über die gemeinsamen Motive zur Adoption eines ausländischen Kindes klar werden. Bei dem Kind werden sie auf Hoffnungen, aber auch Ängste und Erwartungen treffen. Entscheiden sie sich für die Annahme eines Kindes, erfolgt die unmittelbare Vorbereitung zur Durchführung des gerichtlichen Adoptionsverfahrens. Die Frist des Zusammenlebens mit dem Kind in seinem Herkunftsland bis zum Ausspruch der Adoption bzw. der Inpflegegabe variiert von Land zu Land. Während dieser Pflegezeit im Herkunftsland finden ggf. verschiedene Gerichtstermine mit den zuständigen Richter_innen, Sozialarbeiter_innen und Psycholog_innen statt. Nach positivem Ablauf des Zusammenlebens fasst das Gericht bzw. die zuständige Behörde die Adoptionsentscheidung. In den darauf folgenden Tagen werden die erforderlichen Dokumente (Geburtsurkunde, Pass bzw. Visa) zur Ausreise des Kindes beantragt. Ein Visum zur Einreise des Kindes nach Deutschland wird durch die deutsche Auslandsvertretung auf ihr Ersuchen hin und mit Bestätigung durch die Auslandsvermittlungsstelle erteilt.

Adoptionsbegleitung

Die Adoptivfamilie kann während der Integrationszeit und darüber hinaus auf die Beratung und Unterstützung von Fachkräften direkt zugreifen. Viele Länder erwarten zudem Entwicklungsberichte in einem vorgegebenen zeitlichen Rhythmus. Die Dauer der Adoptionsbegleitung richtet sich auch nach den Vorgaben des Herkunftslandes.



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