Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus

Ein Jugendlicher trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift

App für alle Stolpersteine in Brandenburg vorgestellt Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in Brandenburg nun auch per Smartphone möglich 

Engagierte aus der Zivilgesellschaft und Vertreter*innen der Landeszentralen für politische Bildung haben heute in Potsdam eine Smartphone-App über die Stolpersteine vorgestellt. Sie zeigt auf einer Karte die in Brandenburg und in mehreren anderen Bundesländern verlegten Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus. Hinzu kommen biografische Informationen über jene, die aus antisemitischen, politischen, rassistischen oder anderen Gründen im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal dieser Menschen an ihrem letzten selbstgewählten Wohnort.

„In den letzten 20 Jahren wurden rund 1.500 Stolpersteine in Brandenburg verlegt“, so Maica Vierkant, Leiterin der Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus (Aktionsbündnis Brandenburg). „Fast überall hat die Zivilgesellschaft die Verlegungen vorangetrieben, die Geschichten der Betroffenen recherchiert, ihre Nachfahren eingeladen. Dieses ehrenamtliche Engagement ist zentral für das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus.“ 

Das Aktionsbündnis Brandenburg ist ein breites zivilgesellschaftliches Netzwerk im Bundesland. Seit 2019 sammelt es alle Brandenburger Stolpersteine in einer Datenbank und macht sie über die Internetseite www.stolpersteine-brandenburg.de öffentlich zugänglich. 

Die App „Stolpersteine Digital“ wurde 2023 vom Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein für das norddeutsche Bundesland erstellt und nun von einem Verbund der Landeszentralen für politische Bildung aus mehreren Bundesländern ergänzt und überarbeitet. Erstmals sind auch die Brandenburger Stolpersteine aufgeführt. Das Vorhaben wird bis Dezember 2027 von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. 

Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung aus Schleswig-Holstein, erklärt dazu: „Mit der App halten wir die Erinnerung an die Lebens- und Leidensgeschichten der vielen Opfer des Nationalsozialismus in ganz Deutschland wach. Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen über die NS-Verbrechen vor ihrer Haustür informieren. Durch eine virtuelle Gedenkfunktion können wir insbesondere junge Menschen erreichen.“ 

Das Kulturministerium Brandenburg hat das Aktionsbündnis beim Aufbau einer Koordinierungsstelle Stolpersteine sowie einer Datenbank und Website zu allen Stolpersteinen zwischen 2019 und 2024 mit insgesamt knapp 111.000 Euro unterstützt. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle erklärte dazu: „Ein Stolperstein existiert nur, wenn Menschen ihn wollen. Jeder einzelne Stein ist beantragt, recherchiert und bezahlt worden. Ich finde: Das ist genau die richtige Antwort an alle, die einen Schlussstrich wollen. Initiiert hat diese Arbeit die Zivilgesellschaft, mein Ministerium hat den Aufbau der Datenbank dahinter gerne unterstützt – denn ohne die Datengrundlage gäbe es die App in Brandenburg nicht. Gunter Demnig hat das Gedenken dezentralisiert: Er hat es aus den Gedenkstätten geholt und vor uns auf die Gehwege gelegt, damit wir darüber stolpern. Diese App macht dasselbe mit den Biografien: Sie liegen nicht länger nur in einer Datenbank, man kann sie nun immer und überall abrufen.“ 

Die Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg unterstützt das Aktionsbündnis Brandenburg bei der Erstellung von Bildungsmaterialien und Workshops mit Jugendlichen über die Stolpersteine im Bundesland. Jana Steinke, Leiterin der Brandenburger Landeszentrale, führt dazu aus: „Die Stolpersteine erinnern daran, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus oft direkt vor unserer Haustür stattfanden. Die App regt dazu an, nachzufragen und sich auf den Weg zu machen, um Antworten zu finden. Historisches Wissen hilft dabei zu verstehen, warum demokratische Werte und Menschenrechte für unser Zusammenleben so grundlegend sind.“ 

Die App Stolpersteine Digital kann im Google Play Store und im Apple Store kostenlos heruntergeladen werden. Sie wurde 2023 erstmals für Schleswig-Holstein veröffentlicht und wird nach und nach um die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Bremen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen erweitert. Inzwischen befinden sich rund 9.400 Stolpersteine in der App. Umgesetzt wird das Projekt vom IT-Dienstleister Dataport AöR. 

Ergänzend zur App hält die Website stolpersteine.digital Unterrichtsmaterialien zum Thema Stolpersteine und weitere Informationen bereit. 

Das Stolperstein-Projekt wurde 1992 von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Mit seinem Engagement hat er mit inzwischen über 100.000 Steinen das weltweit größte dezentrale Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus geschaffen. Ein Stolperstein ist ein Betonquader mit einer Messingplatte, der in den Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort der verfolgten Person eingelassen wird. Auf der Messingplatte stehen die Namen, die Lebensdaten und die Orte, an die die Menschen deportiert wurden oder an die sie geflohen sind. 

Rückfragen bitte an:
Maica Vierkant, 0331-505 824 26, m.vierkant@aktionsbuendnis-brandenburg.de
Jana Steinke, 0331-866 3541, jana.steinke@blzpb.brandenburg.de
Christian Meyer-Heidemann, 0431-988 1646, stolpersteine.lbpb@landtag.ltsh.de
Manja Schüle, 0331-866 4566, presse@mwfk.brandenburg.de


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