Premiere für Brandenburg: Erste Stiftungsprofessur im Bereich Soziale Arbeit startet im Herbst
Angesichts steigender Zahlen von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung sowie zunehmender Meldezahlen von Kindeswohlgefährdungen in Brandenburg wird der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften immer dringlicher. Die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam schafft mit der neuen Stiftungsprofessur für Soziale Arbeit eine Antwort: Ab dem Wintersemester 2026/27 beginnt die Professur „Hilfe zur Erziehung in einer transformativen Gesellschaft“ an der Fachhochschule Potsdam.
Als derzeit einzige Stiftungsprofessur der FHP füllt sie eine Lücke im Bildungssystem und setzt ein klares Zeichen für soziale Nachhaltigkeit und Praxisnähe im Studium.
Fachlich fundiertes Studium als Antwort auf den Fachkräftemangel
Die Praxis zeigt: Nach dem Studium fehlt vielen jungen Menschen ohne frühzeitige Praxiserfahrungen oft die Handlungsfähigkeit für den teilstationären und ambulanten Berufsalltag. Deshalb bietet die anwendungsbezogene Ausrichtung der Stiftungsprofessur an der FH Potsdam Studierenden die Möglichkeit, fachliches Wissen schon frühzeitig in der Praxis anzuwenden. Mit insgesamt 750.000 Euro fördert die Stiftung die Professur für fünf Jahre bis 2031 im Bereich Sozial- und Bildungswissenschaften. Die Besetzung erfolgt derzeit im Rahmen des regulären Berufungsverfahrens der Hochschule.
Als wichtiger Meilenstein fand am 5. Juni 2026 um 11 Uhr die Unterzeichnung der Fördervereinbarung statt – gemeinsam mit Prof. Dr. Schmitt-Rodermund, Präsidentin der FH Potsdam, Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle, Jugendminister Gordon Hoffmann sowie Vertretenden des Stiftungsrates der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam. Der Pressetermin eröffnet die Bewerbungsphase für die Studierenden.
„Herausforderungen in den Hilfen zur Erziehung sind eng mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen, Bildungsfragen und sozialer Teilhabe verbunden. Gerade deshalb braucht es eine wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Ausbildung, die Studierende frühzeitig auf komplexe Handlungssituationen vorbereitet“, betont die Präsidentin der Fachhochschule Potsdam, Prof. Dr. Eva Schmitt-Rodermund.
Dr. Manja Schüle, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur:
„Ob Dekarbonisierung, Hochfrequenztechnologie, Mikroelektronik in der Medizintechnik oder Digitale Bildung – an vielen dieser Zukunftsthemen kann in Brandenburg nur dank Stiftungsprofessuren geforscht werden. Ich freue mich sehr, dass mit der Stiftungsprofessur ‚Hilfen zur Erziehung‘ künftig ein weiteres Zukunftsthema wissenschaftlich bearbeitet werden kann. Das ist eine gute und starke Investition in den Aufbau eines neuen, innovativen Forschungsschwerpunkts, die Stärkung des Transfers zwischen Forschung und Praxis – und ganz konkret in die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe. Herzlichen Dank an die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam für dieses herausragende Engagement!“
Gordon Hoffmann, Minister für Bildung, Jugend und Sport: „Wir haben heute eine gute Nachricht für die Kinder- und Jugendhilfe in Brandenburg: Das Land wird im Bereich der Hilfen zu Erziehung künftig noch professioneller. Die Stiftungsprofessur bietet die Chance, den Familien in Brandenburg weitere Unterstützung auf fachlich hohem Niveau anbieten zu können. Ich danke der Stiftung und der Fachhochschule für diese gelungene Kooperation.“
Die Professur ist im Forschungsschwerpunkt „Sozialer Raum – Bildung, Partizipation, Gemeinschaft“ verankert und bietet Freiraum für forschungsgeleitete Lehre.
Die einzigartige Positionierung der Stiftungsprofessur in Brandenburg: Brandenburg hat bei Stiftungsprofessuren einen Nachholbedarf, denn 2024 verzeichnete das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg nur sieben Stiftungsprofessuren – das entspricht unter 1% aller Professuren und bedeutet einen hinteren Platz im Bundesländer-Vergleich. Ein weiterer besonderer Aspekt ist der sozialwissenschaftliche Schwerpunkt: Laut Stifterverband widmen sich nur etwa 6 % der von ihm eingerichteten Stiftungsprofessuren diesem Bereich.
Die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam fördert Projekte, die junge Menschen im Land Brandenburg begleiten, sich zu weltoffenen und toleranten, selbstbewussten und verantwortlichen Persönlichkeiten zu entwickeln. Die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts und mit 300 Jahren eine der ältesten sozialen Stiftungen Brandenburgs.
Die Stiftung wurde 1724 von König Friedrich Wilhelm I. errichtet. Der Souverän verfolgte das Ziel, unversorgte Kinder, zunächst ausschließlich von Militärangehörigen, unterzubringen, sie zu unterrichten und auszubilden. Die Mädchen und Jungen erhielten eine weit über das Übliche hinausgehende Fürsorge, Erziehung und berufliche Ausbildung für eine spätere eigenverantwortliche Existenz.