ESF+-Förderung „Praxisnahe Berufsorientierung“ sichert Fachkräftenachwuchs

Auzubildende schauen gemeinsam im Unterricht in den Computer.

Brandenburgs Landesregierung tut gezielt etwas für die dringend benötigte Sicherung junger Fachkräfte. Auf einer gemeinsamen Fachtagung des Arbeits- und des Bildungsministeriums in Potsdam wurden am heutigen Montag zentrale Ergebnisse und erfolgreiche Projekte der ESF+-Förderung „Praxisnahe Berufsorientierung“ (PraxisBO) vorgestellt. Ziel der Förderung ist es, die Berufswahlkompetenz von Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe I durch praxisorientierte Projekte gezielt zu stärken.  Arbeitsstaatssekretärin Dr. Friedrike Haase und Bildungsminister Gordon Hoffmann eröffneten die Tagung mit einem gemeinsamen Messerundgang. Anschließend begrüßte Minister Hoffmann die Anwesenden, und Dr. Haase nahm an einer Podiumsdiskussion zum Thema teil. Beide betonten, wie wichtig es für Brandenburgs Zukunft ist, Jugendliche frühzeitig bei ihrer Berufs- und Studienwahl zu unterstützen.

Bildungsminister Gordon Hoffmann: „Mit der ,Praxisnahen Berufsorientierung‘ erleichtern wir den Übergang junger Menschen von der Schule in die Berufs- und Arbeitswelt. Praxisnähe ist wichtig. Berufliche Orientierung ist aber erst dann richtig wirksam, wenn sie gut gemacht ist. Deshalb gibt der heutige Fachtag wichtige Impulse, um die Berufswahlkompetenz der Jugendlichen noch gezielter zu fördern. Berufliche Orientierung in Brandenburg soll mit dem Wandel der Arbeitswelt Schritt halten, damit unsere Schülerinnen und Schüler den besten Weg in ihre berufliche Zukunft finden können.“

Arbeitsstaatssekretärin Dr. Friedrike Haase: „Schon heute die Fachkräfte von morgen zu gewinnen – das ist zukunftsgerichtete Arbeitsmarktpolitik! Darauf zielen wir mit der ESF+-Förderung ,Praxisnahe Berufsorientierung‘, deren Bilanz schon jetzt beeindruckend ist. Bislang konnten wir damit fast 70.000 junge Menschen am Übergang von der Schule zur Berufsausbildung unterstützen. Durch das Sammeln eigener praktischer Erfahrungen werden dabei frühzeitig ihre Kompetenzen gestärkt.  So können sie ihren Fokus ganz gezielt auf eine Ausbildung oder ein Studium legen, das erstens für sie geeignet ist und zweitens in einer zunehmend KI-beeinflussten Welt auch sichere Berufschancen bietet. Brandenburg verfügt über eine Vielzahl von Ausbildungsangeboten, die zielstrebigen jungen Leuten beste Karrierechancen ermöglichen.“

Carina Knie-Nürnberg, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Immer mehr Jugendliche kommen zu uns in die Berufsberatung. Der Anstieg zeigt, dass viele junge Menschen ihre Zukunft bewusst gestalten wollen. Und die Auswirkungen von KI und die wirtschaftliche Schwäche verunsichern eben. Mit der „Praxisnahen Berufsorientierung“ zeigen wir die vielfältigen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt im Chancenland Brandenburg. Für mich der wichtigste Erfolgsfaktor: Schule trifft Arbeit. Die Schulen planen die Berufsorientierung. Wir unterstützen mit dem Know-how meiner Kolleginnen und Kollegen in der Berufsberatung.  Auf dieses gemeinsame Programm können wir richtig stolz sein – bitte mehr davon.“

Patrick Paquet, Referatsleiter in der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission: „In einer Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung, ökologischen Wandel und neue Kompetenzanforderungen stetig verändert, brauchen junge Menschen vor allem eines: Orientierung, die lebensnah und verlässlich ist. Mit dem ESF+-Programm ,Praxisnahe Berufsorientierung‘ investieren wir deshalb gezielt in Erfahrungen, die Talente sichtbar machen und Zukunftsperspektiven eröffnen. Praxisnahe Berufsorientierung ist weit mehr als ein ergänzendes Angebot an Schulen – sie ist eine zentrale Zukunftsinvestition, sie stärkt die Berufswahlkompetenz junger Menschen, hilft Fehlentscheidungen zu vermeiden und trägt zugleich dazu bei, den Fachkräftebedarf in Brandenburg nachhaltig zu sichern.“

„Praxisnahe Berufsorientierung“ (PraxisBO) ist ein gemeinsames Förderprogramm des Bildungs- sowie des Landwirtschaftsministeriums und bildet eine der größten Förderungen innerhalb des Landesprogramms für den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+), für das das Arbeitsministerium als Verwaltungsbehörde zuständig ist. Das Förderprogramm PraxisBO gliedert sich in drei Teilprojekte auf. Zwei davon beinhalten – in Kooperation zwischen dem Bildungsministerium und der Bundesagentur für Arbeit – die flächendeckende Organisation von Berufsorientierungsprojekten an weiterführenden Schulen im Land Brandenburg. 

Auf der ESF+-Fachtagung „Good Practice: Praxisnahe Berufsausbildung“ wurden insgesamt zehn dieser Schulprojekte aus dem ganzen Land Brandenburg vorgestellt, darunter solche zur Unternehmensgründung, zur Schülerqualifizierung im Sport oder zu praktischem Lernen in Werkstätten oder Betrieben.

Seit dem 1. Januar 2023 wurden bislang an insgesamt 216 Schulen und Gymnasien im Land Brandenburg fast 950 Berufsorientierungsprojekte gefördert, an denen nahezu 70.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben. Die bis zum Ende der Förderlaufzeit am 31. Juli 2028 bewilligte Gesamtfördersumme beläuft sich auf rund 61,6 Millionen Euro.

Weiterführende Informationen zu der Fachtagung mit rund 170 Teilnehmenden aus Schulen und Projektpraxis sowie zu den vorgestellten Projekten sind auch auf der Website des ESF+ Brandenburg unter esf.brandenburg.de/esf/de/aktuelles/veranstaltungen/good-practice-praxisnahe-berufsorientierung-in-brandenburg/ verfügbar.

Beispiele für vorgestellte Schulprojekte:

Assess yourself

Schülerinnen und Schüler als Unternehmensgründer – das ist die pfiffige Idee dieses Berufswelt-Projektes an der Spreewald-Schule Lübben. Sechs Tage lang können Schülerinnen und Schüler in einem von verschiedenen Berufsfeldern gemeinsam ein fiktives Unternehmen planen und erhalten dabei Einblicke in Berufsbilder, Personalauswahl sowie den Einfluss von Digitalisierung, Automatisierung und KI auf die Arbeitswelt. Sie entwickeln Geschäftspläne, Marketing, Vertrieb etc. und präsentieren ihre Ideen vor einer Jury. 

Praxislernen in Werkstätten

Durch Projektarbeit in Werkstätten mit Anfertigung eigener Werkstücke lernen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 der Käthe-Kollwitz-Oberschule Potsdam im Laufe von zwei Wochen verschiedene Berufsfelder kennen. Sie arbeiten in Kleingruppen, dokumentieren und reflektieren ihre Arbeit und erleben einen realen Werkstattalltag mit Material, Maschinen und Arbeitsabläufen. Echte Aufgaben aus dem ersten Ausbildungsjahr verbinden das Praxislernen mit dem Lernen in der Schule.


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